Die letzte Lebenszeit kann wertvoll sein
Verfasst am 2026-01-15
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Pflegepersonal
Krankenpflege Gesundheitswesen
MONTAGSINTERVIEW - Palliativmedizinerin Dr. Nina-Kristin Eulitzüber Sterben
VON PAMELA DE FILIPPO, 16.09.2024, Hessische Allgemeine (Kassel Mitte/Kassel)
MONTAGSINTERVIEW - Palliativmedizinerin Dr. Nina-Kristin Eulitzüber Sterben
VON PAMELA DE FILIPPO, 16.09.2024, Hessische Allgemeine (Kassel Mitte/Kassel)
Frau Dr. Eulitz, eine Palliativstation wird von den meisten Menschen mitTod, Sterben und Leid in Verbindung gebracht. Wie würden Sie Ihren Arbeitsort beschreiben?
Ziel unserer Arbeit ist es, Menschen mit schweren und lebenslimitierenden
Krankheiten eine bestmögliche Lebensqualität bis zum Lebensende zu ermöglichen, also Leid wirksam zu lindern. Mehr als 60 Prozent unserer Patienten kehren nach einer stabilisierenden Behandlung sogar in ihr gewünschtes Lebensumfeld zurück. Aber natürlich kann die Palliativstationauch ein Schutzraum sein, in dem die letzte Lebenszeit bis zum Tod verbracht wird – unterstützt und begleitet von einem multiprofessionalen Ärzteteam, hochqualifizierten Pflegekräften, Seelsorgern, Therapeuten für Familientherapie oder Musiktherapie und ehrenamtlichen Mitarbeitern.
Sokann die letzte Lebenszeit zu etwas sehr Wertvollem und sogar Schönemwerden.
Wir lachen gern und viel auf unserer Station. Wenn das Leid gelindert ist,können die Menschen auf der Palliativstation ihren Humor wiederfindenund dann ist – auch gemeinsames – Lachen möglich. Außerdem wird dieZeit intensiver ausgekostet, wenn sie begrenzt ist. Manchmal gelingen indieser Lebensphase Begegnungen, Gespräche oder Entscheidungen, diegerade erst durch diese Intensität der begrenzten Zeit möglich werden.
Das ist für alle Beteiligten sehr kostbar. Auch Lebensereignisse wie Hochzeit, Taufe oder Geburtstagsfeiern sind Teil des Lebens auf unserer Palliativstation.
Wir dürfen nicht vergessen, dass es auch die Möglichkeit gibt, dankbar und lebenssatt zu sterben. Deshalb glaube ich, dass es die beste Art der Vorbereitung ist, das Leben ehrlich und übereinstimmend mit den eigenen Vorstellungen zu leben. Entscheidungen, die vor 20 Jahren nicht getroffen oder Beziehungen, die seit Jahren nicht geklärt wurden, können manchmalnicht nachgeholt werden. Es kann hilfreich sein, die Blickrichtung auf das Gelungene zu richten und zu überlegen, welche Werte, Erfahrungen und Erinnerungen man zurücklassen und weitergeben möchte.
Wiekann das Team der Palliativstation Patienten und Angehörige bei diesem Prozess unterstützen?
Wir unterstützen Menschen in ihrer Trauer- und Abschiedsarbeit. Schwierigist es, wenn Menschen das Gefühl haben, dass das eigene Leben nochnicht ausgeschöpft ist, oder der Abschied von einem geliebten Menschenschwerfällt. Eine gute Symptomkontrolle ist hier eine wichtige Grundlage.
Denn nur wenn die körperlichen Beschwerden ausreichend gelindert sind,kann ein Mensch seine Kraft in die notwendigen inneren Prozesse investieren. Darüber hinaus sind wir an der Seite der Menschen, hören zu, beraten und unterstützen falls gewünscht auch psychotherapeutisch oder seelsorgerlich.
Es sind tatsächlich die inneren, zwischenmenschlichen und auch spirituellen Themen. So habe ich von einem Patienten noch nie gehört: „Ach, hätte ich in meinem Leben doch mehr verdient.“ Stattdessen bereuen Menschen oft, nicht mehr Zeit mit den geliebten Menschen verbracht zu haben. Auch existenzielle Fragen nach dem Sinn von…
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